Lexikon

Barrierefreiheit

bedeutet die uneingeschränkte Nutzung von Gegenständen, Gebrauchsgütern und Objekten durch alle Menschen über denselben Zugangsweg. Eine Zugänglichkeit über alternative Zugangswege gilt dabei nicht als barrierefrei. § 4 des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) definiert „barrierefrei“ wie folgt: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“
Im Rahmen der Barrierefreiheit sind sämtliche Behinderungsarten zu berücksichtigen. Nicht nur rollstuhlgerechte Bauweise, sondern auch bspw. die Ausstattung mit akustischen Hinweisen für sehbehinderte oder blinde Menschen, das Vorhalten von Gebärdendolmetschern für hörbehinderte Menschen oder der Gebrauch von einfacher Sprache für geistig behinderte Menschen sind im Hinblick auf die Barrierefreiheit zu beachtende Vorkehrungen. Der Anspruch, die Umwelt in jeder Hinsicht und für alle Menschen mit Behinderungen barrierefrei zu gestalten, zeigt sich auch an den detaillierten Vorschriften des BGG, den zahlreichen Verordnungen zu dessen Umsetzung sowie der Regelung des § 17 SGB I. Nach dieser Vorschrift sind die Sozialleistungsträger verpflichtet, darauf hinzuwirken, dass ihre Verwaltungs- und Dienstgebäude frei von Zugangs- und Kommunikationsbarrieren sind und Sozialleistungen in barrierefreien Räumen und Anlagen ausgeführt werden.
Außerdem haben hörbehinderte Menschen das Recht, bei der Ausführung von Sozialleistungen Gebärdensprache zu verwenden. Die Kosten für die Kommunikationshilfen (z. B. Dolmetscher) müssen die Leistungsträger übernehmen. § 9 BGG i. V. m. der Kommunikationshilfeverordnung (KHV) vom 17.07.2002 trifft Regelungen, inwieweit öffentliche Dokumente, Bescheide und Vordrucke für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglicher Form gestaltet werden müssen. Zur Herstellung von Barrierefreiheit bei Gebäuden und im Verkehr schreibt § 8 BGG vor, dass alle Neu- und großen Um- und Erweiterungsbauten des Bundes sowie sonstige öffentliche bauliche Anlagen, Wege, Plätze und Straßen barrierefrei zu errichten sind. Gemäß § 11 BGG i. V. m. der Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) vom 17.07.2002 sind außerdem alle Internetauftritte von Trägern öffentlicher Gewalt barrierefrei zu gestalten.
Autorin: Antje Welke (Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. (Hrsg.) Mulot, R. Schmitt, S. (Redaktion und Lektorat). 2007. “Fachlexikon der sozialen Arbeit“. Baden-Baden. NOMOS)