Lexikon

Pflegeberufe/Pflegefachkraft

sichern die Pflege kranker und pflegebedürftiger Menschen, wobei sich drei Spezialisierungen mit Zielgruppenorientierung als Berufsstruktur herausgebildet haben: die Krankenpflege, die Kinderkrankenpflege und als jüngste Entwicklung die Altenpflege. Entsprechend den Lebenslagen sind die Zielstellungen für kranke und pflegebedürftige Menschen unterschiedlich. Orientiert sich die Betreuung Kranker zunächst auf die Gesundung mit nach Möglichkeit vollständiger Restitution, ist die Betreuung Pflegebedürftiger mit dem Ziel der Verbesserung und dem Erhalt der Lebensqualität bis zum Tode verbunden, was v. a. bei der inhaltlichen Gestaltung der Altenpflege bedeutungsvoll ist. Innerhalb der Pflegeberufe werden zusätzlich präventive und rehabilitative Ansätze realisiert, die an Bedeutung gewinnen und damit den Inhalt der Pflegeberufe künftig wesentlich verändern werden. Neue Berufsbilder werden sich in Form von „Gesundheitsberufen“ weiter etablieren. Die notwendige Änderung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit wird diesen Prozess beeinflussen. Innerhalb der Pflegeberufe haben sich Helferberufe entwickelt, die unter Anleitung fachspezifische Aufgaben realisieren. Die Regelungen für die Ausbildung, Tätigkeitsbereiche und Verantwortlichkeiten sind in den spezifischen Gesetzen festgeschrieben.
Die Pflegeberufe entwickelten und entwickeln sich von einem Hilfsdienst zum professionellen Beruf, wobei sich zunehmend die Pflege aus der Hilfedienststruktur des ärztlichen Handelns in eine selbstständige Professionalisierung bewegt. Grundlage dieser Entwicklung ist die Herausbildung der Pflegeforschung, die sich in der Aussage widerspiegelt, dass Pflege und Medizin zwei Praxisdisziplinen sind, die lediglich eine gemeinsame wissenschaftliche Grundlage besitzen und durch eine angemessene Form der Kooperation miteinander wirken. Insofern überholt ist die von der Pflegewissenschaft erfolgte Definition der Pflege als ärztlicher Assistenzberuf, die sich gegenwärtig noch in der Unterscheidung von Heilpersonal und Heilhilfspersonal darstellt. Eine zweite Veränderung in Pflegeberufen erfolgt durch die immer stärkere Einbeziehung des männlichen Geschlechts in die pflegerische Tätigkeit, sowohl in der Krankenpflege als auch der Altenpflege, was gleichfalls mit einem Statuswechsel einhergeht.
Historisch betrachtet werden Hilfeleistungen durch Nichtärzte bei Ärzten in vielen Situationen – z. B. bei der Überwachung der Schwangerschaft und der Geburtsbegleitung – bereits in der Zeit vor Christi in Ägypten, Griechenland oder dem römischen Reich beschrieben, wobei erst im 19. Jh. die Herausbildung des spezifischen Berufsbildes „Pflege“ erfolgte. Maßgeblich ist diese Entwicklung mit dem Namen von Florence Nightingale verbunden (1820-1910), die die erste Krankenpflegeschule in England plante, welche ihre Tätigkeit 1860 mit dem ersten Kurs aufnahm. Der theoretische Unterricht erfolgte dabei in Lehrsälen, die praktische Ausbildung am Krankenbett. Nach dem Vorbild der „Nightingale-School“ entwickelten sich diese Einrichtungen in vielen Ländern, wobei länderspezifische Regelungen zur Krankenpflegeausbildung bestehen. Heute weisen sie in den einzelnen Ländern Unterschiede auf. Im Hinblick auf die Europäische Union gibt es eine gegenseitige Anerkennung nach der EU-Richtlinie für das Pflegewesen (77/452 und 453/EWG).
Besonderen Anforderungen waren Pflegeberufe in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen unterworfen; Nightingale sammelte ihre Erfahrungen bspw. im Krimkrieg 1854. Sie verfasste „Regeln für die Armeeschwester“ als Orientierung für eine allgemein gültige Arbeitsweise in der Betreuung Verwundeter und Kranker. In der gegenwärtigen Zeit ist es der demografische Wandel, der als Herausforderung auch für die Pflegeberufe gilt und ein Neudenken erforderlich werden lässt, um sowohl den hohen Anforderungen in der Krankenpflege mit präventiven und rehabilitativen Ansätzen als auch in der Pflege, insbesondere der Altenpflege, Rechnung tragen zu können. Diese neuen Anforderungen richten sich sowohl auf die qualitativen Aspekte in der Aus-, Weiter- und Fortbildung mit Spezialisierungen innerhalb der jeweiligen Pflegeberufe, als auch der gesellschaftlichen Anerkennung, was Voraussetzung für eine ausreichende Gewinnung von Pflegekräften ist. Pflegekräfte sind zunehmend höheren Belastungen unterworfen, die nicht selten zu einem frühzeitigen Berufsausstieg führen. Insbesondere für ältere Mitarbeiter in der Pflege sind mit fortschreitendem Berufsalter innerhalb der Pflege Alternativen zu suchen und zu finden, um ihre Arbeitskraft und ihre Arbeitserfahrungen zu erhalten. Für die ständig wachsende Herausforderung in der Pflege sind Neuregelungen in der Pflegeausbildung erforderlich, um die Qualität und Attraktivität der Pflegeberufe zu erhöhen. Dabei ist eine bessere Bildungsdurchlässigkeit, die Möglichkeit einer effektiven Einbeziehung vorhandener Kenntnisse aus früheren Ausbildungen oder die auch im Altenpflegegesetz als Modellvorhaben mögliche Basisausbildung mit späterer Tätigkeitsdifferenzierung erforderlich.
Für die internationale Entwicklung der Pflegeberufe hat der Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger ICN (International Council Nurses), der 1899 gegründet wurde, beigetragen. In Deutschland werden die beruflichen Interessen durch den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) für die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegekräfte wahrgenommen. Der DBfK ist zugleich in zahlreiche internationale Netze integriert. National werden die Pflegeberufe auch im Deutschen Pflegerat, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Pflegeorganisationen, vertreten, die sich aus nachstehenden Verbänden etabliert hat: ADS – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen e.V., BA – Bundesausschuss der Lehrerinnen und Lehrer für Pflegeberufe, BALK - Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen e.V., DBfK – Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, BDH – Bund deutscher Hebammen e.V., BEKD – Berufsverband Kinderkrankenpflege e.V., BFLK – Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie e.V., DGF – Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V., DPV – Deutscher Pflegeverband, VfAP – Verband für Anthroposophische Pflege e.V., VPU - Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätsklinika e.V. Deutschland.
Autor: Eberhard Jüttner (Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. (Hrsg.) Mulot, R. Schmitt, S. (Redaktion und Lektorat). 2007. “Fachlexikon der sozialen Arbeit“. Baden-Baden. NOMOS)