Lexikon

Heilmittel

sind Dienstleistungen, die regelmäßig von außen auf den Körper einwirken, um einen bestimmten Behandlungserfolg bei Krankheit oder Behinderung zu erwirken. Nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung sind die zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähigen Heilmittel persönliche medizinische Leistungen, namentlich Maßnahmen der physikalischen Therapie (Massagen, Bewegungstherapie, Krankengymnastik, Traktionsbehandlungen, manuelle Therapie, Elektrotherapie, Lichttherapie, Wärme- und Kältetherapie, Hydrotherapie, medizinische Bäder und Inhalationstherapie), der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie, der Ergotherapie oder der podologischen Therapie. Demgegenüber stellen sachliche Leistungen, die von außen auf den Körper wirken, regelmäßig Hilfsmittel dar (z. B. Einlagen, Kompressionsstrümpfe, Leibbinden). Die Heilmittel-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses regeln weitere Voraussetzungen für die Verordnung von Heilmittel, die allg. Verordnungsgrundsätze, den Inhalt von Verordnungen sowie Informationspflichten. Weiter ist ein Katalog der verordnungsfähigen Heilmittel gegeben. Dieser wird nach dem all. anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechend ergänzt. Daneben existiert ein Katalog betreffend Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nicht nachgewiesen ist, sowie Indikationen, bei denen der Einsatz von Maßnamen, deren therapeutischer Nutzen nachgewiesen ist, nicht anerkannt ist, und Maßnahmen , die der persönlichen Lebensführung zuzuordnen sind (ausgeschlossene Heilmittel). Zudem kann nach § 34 SGB V das Bundesministerium für Gesundheit durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates Heilmittel von geringem oder umstrittenen therapeutischen Nutzer oder geringem Abgabepreis bestimmen, deren Kosten die Krankenkasse nicht übernimmt. Die Regelungskompetenz des Gemeinsamen Bundesausschusses tritt dabei ergänzend neben die Ausschlusskompetenz des Bundesministeriums. Solange und in dem Umfang, in dem der Verordnungsgeber (Bundesministerium) nicht von der ihm eingeräumten Kompetenz Gebrauch gemacht hat, ist der Gemeinsame Bundesausschuss bis hin zu Leistungsausschlüssen befugt. Die Leistung eines Heilmittels kann in der gesetzlichen Krankenversicherung nur auf ärztliche Veranlassung hin erfolgen, es ist also eine ärztliche Verordnung erforderlich. Die Abgabe von Heilmitteln erfolgt durch zugelassene Leistungserbringer. Hierbei handelt es sich um entsprechend ausgebildete, berufspraktisch erfahrene Personen. Diese sind regelmäßig an die ärztliche Verordnung gebunden. Folgeverordnungen sind grundsätzlich nur nach erneuter Begutachtung durch den behandelnden Arzt möglich. Für die zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähigen Heilmittel ist von Versicherten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, eine Zuzahlung an den Leistungserbringer zu leisten. Diese beträgt 10 % der Kosten sowie 10 Euro pro Verordnung.
Autorin: Katja Fahlbusch (Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. (Hrsg.) Mulot, R. Schmitt, S. (Redaktion und Lektorat). 2007. “Fachlexikon der sozialen Arbeit“. Baden-Baden. NOMOS)