Tagespflege




Tagespflege ist, wie die Nachtpflege, ein teilstationäres Angebot für hilfe- und pflegebedürftige ältere Menschen, die in ihrer eigenen Häuslichkeit leben. Seit 2002 fallen auch teilstationäre Angebote unter das HeimG. Das Angebot der Tagespflege umfasst den Transport von und zur Wohnung, die Mahlzeiten, die während des Besuchs der Tagespflege erforderliche Körperpflege und die notwendige Behandlungspflege sowie die soziale Betreuung. Die finanzielle Beteiligung der Pflegekassen an den Kosten der Tagespflege regelt § 41 SGB XI. Tagespflege wird als Ergänzung der häuslichen Pflege und Betreuung in Anspruch genommen oder dann, wenn die häusliche Betreuung nicht ausreichend gewährleistet werden kann. Insbes. für allein lebende, unterstützungsbedürftige ältere Menschen bietet die Tagespflege die Möglichkeit, soz. Kontakte zu pflegen. Darüber hinaus versteht sich die Tagespflege als Entlastungsangebot für pflegende Angehörige. Dies gilt insbes. im Hinblick auf die Mehrfachbelastung der Pflegenden durch die Haushaltsführung, die Kinderbetreuung oder die eigene Berufstätigkeit. Der Entlastungsaspekt kommt v. a. auch bei der Pflege und Betreuung von Demenzkranken zum Tragen. Insoweit kann die Tagespflege einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung familialer Pflegesysteme leisten. Die Tagespflege ist ein Gruppenangebot. Die Tagesgäste verbringen den Tag weitgehend gemeinsam, wobei tagesstrukturierende und alltagsorientierte Beschäftigungsangebote im Vordergrund stehen. Erste modellhafte Tagespflegeeinrichtungen sind bereits zu Anfang der 1980er-Jahre entstanden. Die Angebotsentwicklung ist jedoch, auch nach dem In-Kraft-Treten des PflegeVG 1995, zögerlich verlaufen und ist heute teilweise sogar rückläufig. Ursächlich hierfür kann aus Anbietersicht eine nicht auskömmliche Pflegesatzgestaltung gelten. Gleichzeitig erscheinen aus Nutzersicht die Kosten für die Tagespflege, verglichen mit den Kosten für eine vollstationäre Pflege, relativ hoch. Bei gleichzeitiger Inanspruchnahme der Tagespflege und von Sachleistungen durch ambulante Dienste nach § 36 SGB XI dürfen nach § 41 Abs. 3 SGB XI die Aufwendungen insgesamt je Kalendermonat den je Pflegestufe vorgesehenen Höchstbetrag nach § 36 Abs. 3 und 4 SGB XI nicht überschreiten. Da somit die Kosten für den Besuch der Tagespflege zu Lasten des Sachleistungsbudgets für ambulant erbrachte Pflegeleistungen gehen, führt der Besuch einer Tagespflegeeinrichtung in vielen Fällen zu einer erheblichen finanziellen Gesamtbelastung. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich dies hemmend auf die Nachfrage auswirkt. Als Ergänzung zur häuslichen Pflege ist die Tagespflege ein wesentliches Element des Altenhilfesystems.

Autor: Norbert Mätzke (Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. (Hrsg.) Mulot, R. Schmitt, S. (Redaktion und Lektorat). 2007. “Fachlexikon der sozialen Arbeit“. Baden-Baden. NOMOS)